| Im Reich der Laufkatze Ein neues Lokal in Wien-Mariahilf beweist, dass gutes Design ganz billig sein kann - Ein guter Architekt im selben Haus ist aber schon sehr hilfreich.
Chieh-Shu Tzou ist gerade 30, Architekt und hat schon mehrere Lokale gut gestaltet: Das tiefschwarze, als Opiumhöhle verkleidete Chinarestaurant "Shanghai Tan" etwa, die ebenso winzige wie wunderbare Untergrund-"Kaffeeküche" beim Schottentor oder das minimalistische Stadtbahn-Bogen-Lokal "Neon" in Heiligenstadt. Weil der in Wien aufgewachsene Taiwaner in Zukunft nicht nur noch für Restaurants angefragt werden will, sind von nun an andere Projekte dran - ein Wettbewerb für die Shanghai-Expo 2010 etwa. Zuletzt war aber doch noch ein Lokal an der Reihe - weil es direkt neben dem Büro ("Ten.Two") liegt, das er mit US-Partner Gregorio Santamaria betreibt. Und weil Tzou die neuen Mieter, zwei langjährige Kellner des Shanghai-Tan-Schwesterlokals "Ramien", selbst vermittelt hat. Fridolin Fink und Konrad Hohenegger haben die ehemalige Motorenwerkstatt im unteren, sehr charmanten Teil der Esterhazygasse gemietet, weil es ihnen nicht zuletzt die massive "Laufkatze" angetan hatte - ein Teil, das von der seit Jahrzehnten stillgelegten Werkstatt noch übrig war. Der bewegliche Kran aus dem Anfang des vorigen Jahrhunderts hängt unverändert - und voll funktionsfähig - an der Decke und vermittelt ein Gefühl durchaus inspirierender, industrieller Geschäftigkeit.
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Davon abgesehen sind Einrichtung und Ausstattung des "Finkh" getauften Lokals vor allem eines: billig. Das Budget der beiden Neo-Unternehmer bedingte die Verwendung von Materialien, die man eher aus dem Baumarkt denn von Architektur-Entwürfen kennt. Umso erstaunter ist man ob des eleganten Flairs, das das Lokal vermittelt. Die Lamperie besteht aus schwarzgebeizten und lackierten OSB-Platten (werden aus Holzabfällen gepresst). Dahinter sind Linestra-Leuchten versteckt, die schönes, warmes Licht spenden. Der gegossene Estrich wurde lediglich versiegelt. Die Schank ist ein dezidiert provisorisches, durchaus schnittiges Konstrukt aus Porensteinen (braucht man sonst zur Verkleidung von Badewannen). Einziger, wichtiger Luxus: gleich vier französische Türen zur Straße, die im Sommer weit geöffnet sind.
Als Koch wurde Elias Zenzmayer (21) verpflichtet, der schon wie ein Großer kocht, mit Garzeiten und Saucen souverän umzugehen weiß - und eigentlich nur noch eines lernen muss: Speisekarten schreiben. Einstweilen liest sich die die Karte nämlich ungleich fader, als das Essen schmeckt: 1a-Gulasch, aber wirklich, köstlich cremiger Gratin zu den Lammkoteletts, und die einbrennten Erdäpfel (wie sich's gehört mit Gurkerl, Kapern und Kresse!) zum Bachsaibling waren überhaupt ein Wahnsinn: Die bitte nicht von der Karte kippen - den Fisch hingegen kann man ruhig bald ändern.
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